Siemens-Deal in Ägypten – Too big to fail?

zenith-siemensIn Rekordtempo baut Siemens Gasturbinen auf, die Ägyptens Stromnot tatsächlich lindern könnten. Doch das Sisi-Regime steht vor einem Finanzkollaps – und der größte Auftrag in der Firmengeschichte droht, zum Bumerang zu werden.

Als Anfang Juni 2015 der ägyptische Präsident Abdel Fattah El-Sisi über den roten Teppich vor dem Kanzleramt schreiten durfte, reagierten Menschenrechtsaktivisten und ägyptische Oppositionelle mit hörbarem Unmut. Schließlich hatte die Kanzlerin versichert, den einstigen General nach dessen Putsch gegen die gewählte Regierung von Mohammed Mursi erst nach Berlin einzuladen, wenn Ägypten über ein Parlament verfügt. Im Juni 2015 war davon nichts zu sehen, trotzdem empfing Angela Merkel den Potentaten vom Nil mit freundlichen Gesten am Spreeufer.

Der Sinneswandel hatte wirtschaftliche Gründe. Zur Unterzeichnung standen Verträge mit der Firma Siemens über ein Megaprojekt zur Energiegewinnung in Ägypten, ein Paket aus Gas- und Dampfturbinenkraftwerken sowie 12 Windparks mit einer zusätzlichen Fabrik für Windkraft-Rotorblätter im Gesamtauftragsvolumen von 8 Milliarden Euro. Für Siemens war es der größte Abschluss in der Firmengeschichte und Rettung zugleich in einer prekären Situation, in der man bereits plante, am Standort Mühlheim rund 900 Arbeitsplätze zu streichen. „Ägypten verschafft uns Luft“, zeigte sich Siemens Manager Willi Meixner nach der Unterzeichnung dann auch erleichtert.

Doch während Siemens inzwischen alle 12 Turbinen in einem riesigen Kraftakt nach Ägypten gebracht und auf ihre Sockel gestellt hat, hat sich die wirtschaftliche Lage Ägyptens drastisch verschlechtert. Mit über 3,6 Milliarden Euro steht das Land am Nil inzwischen bei multinationalen Energiefirmen in der Kreide und kann die Raten nicht mehr bedienen. Es droht auch für die deutsche Firma ein Ausfallszenario, dass die verschaffte Luft zur Luftblase geraten lassen könnte. Zwar hat die Bundesregierung den Deal mit einer Hermes-Bürgschaft abgesichert, doch ganz so einfach ist es nicht, Regressmaßnahmen gegen Ägypten einzuleiten. Und einem nackten Land kann man nicht in die Taschen fassen.

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